Stellungnahme zum Moratorium

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Die sinkende Kinderzahl und das Moratorium in Erfurt – eine Stellungnahme des Stadtelternbeirates von Erfurt

Die Situation

Die Geburtenrate sinkt und dass, die Prognosen frühestens 2028 mit einer leichten Erholung rechnen, ist schon länger bekannt. Dass in den Erfurter Kitas bereits jetzt schon rund 100 Stellen nicht besetzt sind, es also eine frappierende Anzahl offener Stellen gibt, ist auch nichts Neues. Durch die klassische Bedarfsplanung werden in den nächsten 2 Jahren demnach auch vermutlich keine neuen Stellen ausgeschrieben. Darüber hinaus ist schon jetzt ein Rückgang der Berufspraktikanten zu verzeichnen. Was das für Auswirkungen auf die pädagogischen Fachkräfte und die Kita-Landschaft in Erfurt für die kommenden Jahre hat, ist nach wie vor unklar und beginnt zu einem politischen Machtspiel zu werden. Das oben erwähnte Moratorium, sollte die Planungssicherheit der Kitas und den Erhalt der pädagogischen Fachkräftestellen in der kommenden Zeit sicherstellen. Alle Parteien haben den Schutz der Kinder in ihrem Wahlversprechen, doch mangelt es an Unterstützern aus ihren Reihen.

Unsere Forderung -„Qualität statt Quantität!“

Wir fordern die Erhaltung aller Stellen trotz sinkender Kinderzahl zur Qualitätssteigerung in den Kitas.

Würde dies umgesetzt werden, wären endlich die pädagogischen Fachkräfte nicht nur durch Krankheit, Elternzeitvertretung, usw. am Ende ihrer Kräfte und die Kitas nicht mehr am Limit. Es wäre sogar möglich, dass die Einrichtungen ihre Angebote ausbauen und an die aktuellen Herausforderungen anpassen könnten.

Dem Entgegen steht die aktuell einjährige Bedarfsplanung. Sie richtet sich mehr nach der Quantität aus, das Moratorium hingegen nach der Qualität.

Die Vorteile

Mehr Qualität heißt:

  • mehr Zeit für individuellen Förderbedarf seitens der Pädagogen
  • mehr Zeit für Aufklärung und Unterstützung der Eltern
  • Früherkennung von Förderbedarf und Sprachentwicklungsstörungen
  • genügend Personal für pädagogische wichtige Ausflüge, die meist sogar im Konzept verankert sind
  • Aufrechterhaltung und ggf. Verlängerungen der Öffnungszeiten und Betreuungsangebote
  • ausreichend Zeit für die Gesundheitsvorsorge – zuletzt stellte man mangelnde Zahngesundheit der Kitakinder fest
  • Ausdehnung von Angeboten
  • Zeit und Möglichkeit zur Verbesserung und Anpassung der bestehenden Konzepte
  • Förderung der Kinder durch mehr Weiterbildungen der Fachkräfte (Integration und Teilhabe)
  • Erfurt bleibt weiterhin attraktiv für Auszubildende und Praktikanten in pädagogischen Berufen

Zahlreiche Studien, wie die der OECD oder der Bertelsmann-Stiftung, untermauern die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit von einem guten Fachkraft-Kind-Schlüssel auf die kognitive und soziale Entwicklung. Beziehung und Kontinuität ist nicht nur in diesen Studien ein zentraler Aspekt, auch im Kinderschutz bilden diese beiden Punkte die Grundlage. Ein zentrales Element jedes Kinderschutzkonzeptes ist der Schutz des Kindes durch verlässliche Beziehungen, aufmerksame Fachkräfte und stabile Strukturen. Dies lässt sich nur umsetzen, wenn Qualität Vorrang vor Quantität hat – mit dem Moratorium hat Erfurt diese Möglichkeit und kann vorbildhaft vorangehen.

Vorschuluntersuchungen zeigen, dass die Eignungen immer schlechter werden (z.B. Sprachentwicklung). Parallel steigen die Bedarfszahlen für die Kita-Sozialarbeit im Bereich Beratung zur Leistung, Förderung und Fragen zur Einschulung.  Auch die einjährig stattfindenden Entwicklungsgespräche müssen von den Pädagogen vorbereitet, durchgeführt und umfangreich dokumentiert werden. Dieses Protokoll dient bei den Vorschuluntersuchungen ebenfalls als ein wichtiges Indiz.

In Erfurt können wir ebenfalls die steigende Anzahl der Anträge zur Schulintegrationshilfe vermerken. Die Problematik und der Bedarf an pädagogischen Fachkräften wird nach hinten verlagert, obwohl wir nun die Möglichkeit hätten im frühen Kindesalter zu reagieren.

Dass stabile oder verlängerte Kita-Öffnungszeiten uns Eltern entlasten würden und damit die Wirtschaft und die Kaufkraft stärken würde, ist unumstritten. Wir Eltern sind nicht nur Eltern, sondern auch Arbeitnehmer am Wirtschaftsstandort Erfurt. Außerdem stellt sich die Frage, wie in ein paar Jahren wieder pädagogisches Fachpersonal gewonnen werden kann. Momentan wird alles dafür getan, dass diese Ausbildung und der Job unattraktiv werden, aufgrund fehlender oder nur befristeter Stellen. Auch hier werden die Fachkräfte in andere Bereiche abwandern.

Wie geht es nun weiter:

Ursprünglich sollte über das Moratorium am 17.12.25 entschieden werden. Darüber berichteten die „Thüringer Allgemeine“ und LandesWelle Thüringen. Jedoch wurde es nur besprochen und nach Änderungsanträgen in den Jugendhilfeausschuss zurückgegeben. Mitte Februar sollte es erneut dem Stadtrat vorgelegt werden. Da dies aber erst mit der Bedarfsplanung mit allen Ortsteilbürgermeistern ausgelegt werden muss, verlagert sich der Termin wahrscheinlich in den März.

Erste Stimmen werden bereits laut, dass dafür kein Geld mehr im Haushalt vorhanden ist, bzw. dafür vorgesehen werden kann.

Die aktuelle Arbeit des Stadtelternbeirates:

Der im September neu gewählte Vorstand des Stadtelternbeirates steht mit diesem Thema vor seiner ersten großen Herausforderung. Das 5-köpfige Gremium um Eric Keske hat sich auf die Fahnen, geschrieben mehr Eltern mittels direkten Kontaktes über die Elternbeiräte der Einrichtungen einzubeziehen und zu informieren. Das politische Rad in Erfurt dreht sich sonst wieder im Stillen weiter. Leider haben wir immer noch keinen Kontakt zu allen im September neu gewählten Elternvertretern der 108 Kitas bekommen, um über bevorstehende Änderungen zu informieren.

Die Zielsetzung:

Unsere Kinder und unsere Kitas brauchen unsere Stimmen und die Präsenz jedes einzelnen der Elternschaft, sowie auch die der Pädagogen. Bitte haltet den Informationsfluss zu euerer Elternschaft.

Deine Fragen an uns:

Ihr könnt uns jederzeit über unsere Website www.steb-erfurt.de erreichen oder direkt eine Mail an vorstand@steb-erfurt.de senden. Für den gewählten Elternvertreter der Kita inklusive Stellvertretung gibt es eine eigene Infogruppe beim Messanger Signal. Am 11.März 2026 findet die nächste Sitzung der beiden Vorsitzenden des jeweiligen Elternbeirates der Kitas statt.

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