Warum wir demonstrieren

Latest Comments

Es sind keine Kommentare vorhanden.
News

Liebe Eltern,
liebe Erzieherinnen und Erzieher,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
liebe Menschen dieser Stadt,

schaut euch um.
Schaut euch an, wie viele wir heute sind.
Schaut euch an, wer heute nicht geschwiegen hat.

danke, dass ihr heute hier seid.
Danke, dass ihr nicht zu Hause bleibt.
Danke, dass ihr euch nicht abwimmeln lasst.
Danke, dass ihr zeigt: Unsere Kinder sind es wert.                                                                

Danke, dass ihr heute sagt: Es reicht.

Mein Name ist Eric Keske. Ich bin Vorsitzender des Stadtelternbeirates der Landeshauptstadt Erfurt. An meiner Seite stehen meine Stellvertreter:innen Anja, Ariane und Christian – gemeinsam haben wir diese Kundgebung organisiert. 

Und ich sage das gleich am Anfang, laut, klar und unmissverständlich:


Wir lassen uns nicht instrumentalisieren. Wir sind überparteilich.
Wir stehen nicht für Schlagzeilen.
Wir stehen nicht für Machtspiele.
Wir stehen nicht für Eitelkeiten. 

Wir stehen für Kinder.
Für kleine Hände. Für große Träume. Für die ersten Worte. Für die ersten Freundschaften. Für die ersten Schritte in ein Leben, das wir heute mitentscheiden. 


Wessen Stimme ihr heute hört

Der Stadtelternbeirat Erfurt ist ein von Müttern, Vätern und Familien gewähltes Gremium. 
Das bedeutet: Wir sprechen im Namen von über 10.000 Kindern und ihren Eltern
Grob überschlagen sprechen wir für rund 30.000 Menschen in Erfurt

Das sind nicht „ein paar Unzufriedene“.
Das ist nicht „ein kleines Thema“.
Das ist das Herz dieser Stadt, das sagt:

So geht es nicht weiter.
Nicht mit unseren Kindern. Nicht mit unseren Familien. Nicht mit den Menschen, die täglich in Kitas alles geben.


Warum wir heute hier stehen – schaut hin!

Wir haben heute – gemeinsam mit den Kitas in Erfurt – eine Brücke/Mauer gebaut. Jeder Karton steht symbolisch für die Kitalandschaft in Erfurt. Für einen Ort, an dem Kinder lachen.
Weinen.
Lernen.
Wachsen.
Sich sicher fühlen sollen.


Und dieses Bauwerk steht auf Fundamenten – auf Pfeilern, ohne die es nicht geht:
QualitätFinanzierungEntwicklungBindungVerantwortung

Und ich frage euch:
Wer von euch würde an den Pfeilern seines Hauses sparen?
Wer würde sagen: „Ach, das Fundament ist mir zu teuer“?
Wer würde sehenden Auges riskieren, dass alles einstürzt?

Genau das passiert gerade. 


Wir erinnern uns: 2015 – als alle geholfen haben

Schauen wir kurz zurück, ungefähr ins Jahr 2015
Damals gab es in Erfurt viel mehr Kinder als Betreuungsplätze
Die Stadt ging auf Träger zu – bat um Unterstützung. 
Und was passierte? 

Alle Träger halfen, ohne zu zögern.
Es wurden Kinder über Betriebserlaubnisse hinaus aufgenommen. 
Erzieherinnen und Erzieher haben mit Herzblut versucht, das Beste aus einer Dauerkrise zu machen. 

Und Eltern?
Eltern merkten es daran, dass man einen Kita‑Platz suchen musste, bevor das Kind geboren war. 
Bewerbungen. Gespräche. Druck. Angst. 
Von Wunsch und Wahlrecht keine Rede. 

Das Ganze geschah nicht, weil es leichter war, nicht, weil es gerecht war, sondern weil es notwendig war.

Und heute?

Heute gibt es weniger Kinder. Heute gäbe es Zeit. Luft. Spielraum.

Und was macht man daraus? Nichts!!!


Heute: weniger Kinder – und eine historische Chance (die liegen gelassen wird)

Jetzt ändert sich die Situation: Es gibt auf einmal viel weniger Kinder in Erfurt.
Für Eltern bedeutet das: weniger Bewerbungen, mehr Plätze. 
Aber was macht die Verwaltung daraus? 

Der Oberbürgermeister verspricht: „Keine Kita wird geschlossen.“ 
Okay.
Aber ein Versprechen ist kein Plan.
Und Nichtschließen ist nicht dasselbe wie Steuern.

Denn was passiert stattdessen?
Die Kitalandschaft wird sich selbst überlassen. 
Und dann heißt es öffentlich, man sei irritiert und verstehe unsere Kundgebung nicht, dass Fachkräfte verzweifeln, dass Kinder leiden.

Ich sage: Dann hören wir heute ganz genau zu – und wir sprechen heute ganz deutlich.


Unsere Botschaft: Gebt denen etwas zurück, die jahrelang getragen haben

Warum nutzt die Verwaltung diese Situation nicht als Chance? 

Gebt den auf dem Zahnfleisch kriechenden Erzieherinnen und Erziehern etwas zurück!
Nicht irgendwann. Jetzt. 

Lasst sie wieder Zeit am Kind haben. 

· Zeit zum Trösten

·  Zeit zum Zuhören

·  Zeit zum Fördern

·  Zeit zum Durchatmen


Lasst sie an Konzepten arbeiten. 
Lasst sie sich weiterbilden. 
Lasst sie sich sammeln. 

Denn nur so steigt die Qualität. 
Nur so werden Eltern entlastet. 
Nur so hören die ständigen Mails auf: „Bitte holen Sie Ihr Kind früher ab.“ 

Kinder merken alles.
Sie merken Stress.
Sie merken Überforderung.
Sie merken, wenn Erwachsene nur noch funktionieren.

Und ich frage euch – ehrlich:
Was macht das mit Kindern, wenn „früher abholen“ zum Normalzustand wird?
Wenn Bindung brüchig wird, weil Personal fehlt?
Wenn Bildung zu Betreuung auf Sparflamme wird?

Kinder können das nicht wegmoderieren.
Kinder können nicht streiken.
Kinder können nicht in Ausschüsse gehen.

Darum stehen wir heute hier.


Die Realität ist messbar – und sie tut weh

Unabhängige Auswertungen zeigen Handlungsbedarf:
Mundhygiene – schlechteste Ergebnisse seit Jahren. 
Sprachtests zur Schuleingangsuntersuchung – ebenfalls die schlechtesten Ergebnisse der letzten Jahre. 

Das ist kein Zufall.
Das ist das Echo von Überlastung.
Das ist das Ergebnis von „Augen zu und durch“.

Und wir sagen: Nicht mit uns.


Unsere Forderungen – klar, gerecht, machbar

Aus diesen Gründen fordern wir Eltern aus Erfurt:
Dass die Fachkräfte, die jetzt da sind, gehalten werden
Dass niemand entlassen wird, nur weil gerade weniger Kinder da sind. 
Dass Träger und Verwaltung gemeinsam schauen, wie die Kitalandschaft neugestaltet werden kann – damit Erfurt vorbereitet ist, wenn die Zahlen wieder steigen. 

Das ist nicht radikal.
Das ist nicht überzogen.
Das ist verantwortlich.


Und jetzt zur Lieblingsausrede: „zu teuer“

Die Verwaltung und auch die CDU sagen ständig, das sei alles viel zu teuer. 
Dann haben wir Eltern zwei Fragen: 

Erstens: Wie teuer ist es genau? Wir haben noch keine Rechnung gesehen. 
Zweitens: Wie teuer wird es später, wenn wir die Qualität jetzt nicht steigern? 

Und ich setze noch eine Frage drauf:
Was ist der Preis eines verlorenen Kindes im System?
Eines Kindes, das weniger Sprache entwickelt, weniger Förderung bekommt, weniger Stabilität erlebt – weil Erwachsene sich nicht einigen konnten?

Das bezahlen wir nicht „später“.
Das bezahlen wir jeden Tag – in Familien, in Schulen, in der Jugendhilfe, in der Gesellschaft.


Die Rechnung liegt auf dem Tisch

Ihr habt selbst gerechnet:
1.600 Kinder weniger entsprechen ungefähr 136 VBE – also 136 Stellen, die wegfallen würden, wenn alles so bleibt. 
Gleichzeitig gab es eine Rüge vom Land, weil der Mindestpersonalschlüssel nicht eingehalten wurde – es fehlen ungefähr 100 VBE. 
Damit müssten „nur“ 36 VBE durch die Stadt finanziert werden. 
Und ja: Der Theaterstreit ist viel teurer. 

Das ist keine Fantasie.
Das sind Zahlen aus eurem eigenen Text – und sie zeigen:
Es geht. Wenn man will.


Unser Auftrag an die Politik: Übernehmt Verantwortung – heute!

Wir fordern die Verwaltung auf, ihrer Pflicht nachzukommen: die Kitalandschaft zu steuern, statt sie sich selbst zu überlassen. 
Und wir fordern alle Fraktionen im Stadtrat auf, dem vorliegenden Antrag zuzustimmen. 
Der Jugendhilfeausschuss hat das mindestens drei Mal getan. 

Jetzt gilt:
Wer Kinder ernst nimmt, stimmt zu.
Wer Verantwortung ernst nimmt, stimmt zu.
Wer Zukunft sagt, muss auch Zukunft machen.


Weitere Redner

  • Daniel Mroß (JHA Vorsitzender)

Wenn wir heute schweigen – wer zahlt morgen den Preis?“

  • ….

„Unsere Kinder sind nicht verhandelbar!“

  • …. Betti Löbl (GEW)

„Kinder haben keine Lobby – außer uns!“


Schluss: Wir lassen die Pfeiler nicht ziehen – wir halten dagegen

Schaut eure Kinder an.
Heute Abend.
Morgen früh.
Wenn ihr sie in die Kita bringt.

Schaut ihnen in die Augen
und fragt euch:
Haben wir heute genug für sie getan?

Denn Kinder erinnern sich nicht an Haushaltszahlen.
Kinder erinnern sich nicht an Ausreden.
Kinder erinnern sich daran,
ob Erwachsene Verantwortung übernommen haben –
oder weggesehen haben.

Am 18.03. wird entschieden.
Nicht abstrakt.
Nicht theoretisch.
Sondern ganz konkret über die Zukunft unserer Kinder.

Und wenn man sich gegen sie entscheidet,
dann soll jeder wissen:
Wir waren da. Wir waren laut. Und wir haben gewarnt.

Wir lassen uns nicht abspeisen.
Wir lassen uns nicht vertrösten.
Wir lassen unsere Kinder nicht fallen.

Bleibt laut.
Bleibt unbequem.
Bleibt dran.

Denn wenn wir heute nicht kämpfen –
wer schützt unsere Kinder morgen?

Eure Kinder zählen auf euch.

Tags:

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert